Sind wir Zahlmeister oder Profiteur der Eurozone? Eine Frage die von deutschen Boulevardblättern gerne in Polemik ertränkt und für die eigene Gemütslage ausgenutzt wird. Aber was steht dahinter? Wie sehen die Vor- und Nachteile der Währungsunion tatsächlich aus?
(hk) Gerne wird von Euro-Skeptikern angeführt, dass wir Deutschen nie über die Einführung des Euros abgestimmt haben. Fakt ist, dass zur Bundestagswahl 1998 dieses Thema tatsächlich auf der Agenda stand. Nicht als Referendum, sondern als Wahlkampfthema. Die Partei Pro-D-Mark bekam 0,9 % der Stimmen. Dies darf natürlich nicht als absolute Legitimation der Währung verstanden werden. Es gibt dem vielgehasstem Euro jedoch mehr Legitimation als der D-Mark, welche ein Jahr vor der ersten Bundestagswahl per Diktat der Besatzungsmächte eingeführt wurde.
Oft wird in alter „früher war alles besser“-Manier die Härte der D-Mark als übertrumpfendes Argument gegenüber dem vermeintlichen „Teuro“ angeführt. Doch die Erinnerung trügt. Von 1949 bis 1998 lag die Inflation in Deutschland bei jährlichen drei Prozent. Die Eurozone hingegen kommt zwischen 1999 und 2009 auf 2,1 Prozent im Jahr. In Deutschland lag die Geldentwertung im selbem Zeitraum bei nur 1,5 Prozent. Doch nicht nur in Bezug zur Binnenwirtschaft zeichnet sich der Euro als stabiler aus als die D-Mark. Auch im Außenhandel ist unsere Gemeinschaftswährung die bessere Mark. Das Allzeithoch der D-Mark liegt bei 0,74 US-Dollar, dies entspricht einem Eurokurs von 1,43 US-Dollar. Damit liegt der jetzige Eurokurs, während der europäischen Schuldenkrise, nur knapp unter dem höchsten Wert den die D-Mark je erreicht hat. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass der höchste Eurokurs mit 1,60 US-Dollar den D-Mark-Rekord um 12 % überbot.
Den Titel des Zahlmeister haben wir jedoch verdient. Selbst wenn man alle EU-Subventionen gegenrechnet, erhält unsere Schicksalsgemeinschaft jährlich mehr Beiträge der Bundesrepublik als die Bundesrepublik von der EU erhält. Dabei wird vernachlässigt, dass der Euro genau die Branchen stärkt, die für unseren Wohlstand verantwortlich sind: Die Exportwirtschaft.
Während zu D-Mark-Zeiten unser Export in die jetzige Eurozone um lediglich 3 Prozent wuchs, sind es dank weggefallender Wechselkursrisiken satte 9 Prozent im Jahr. Deutschlands wichtigstes Standbein wächst damit dreimal schneller als vor der Währungsunion.
Damit bleibt nur noch eine Frage: Sind diese Vorteile die Kosten der Schuldenkrise wert? Schließlich leihen wir Griechenland direkt und Irland indirekt über den Euro-Rettungsschirm Geld. Obwohl die intuitive Reaktion hier Kosten vermutet, ist dies jedoch ein profitables Geschäft für unseren Bundeshaushalt. Selbst wenn Griechenland nun im Rahmen des aktuellen EU-Gipfels eine Zinssenkung zugesprochen wird, leiht sich die Bundesregierung Geld am Kapitalmarkt für gut 2 Prozent Zinsen und verleiht es weiter für 5 Prozent. Unterm Strich entlastet die Schuldenkrise damit den deutschen Steuerzahler. Und dies gleich doppelt. Die Renditen, die von den Finanzmärkten für Anleihen des Bundes verlangt werden, sind momentan nur deshalb so niedrig, da Gläubiger der Peripheriestaaten ihre Wertpapiere gegen Bundesanleihen umtauschen. Durch diesen Effekt sinken die Zinsen für unseren wachsenden Schuldenberg. Ihre Armut ist unser Reichtum.
Unterm Strich bleibt die Bilanz eindeutig. Zwar sind die Effekte des Euros auf unsere Wirtschaft oberflächlich nicht leicht zu druchschauen, dies macht uns jedoch nicht weniger zum Euro-Profiteur.